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Ruas e Praças

Ruas e Praças

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Projekt „Ruas e Pracas“ (=Straßen und Plätze) in Recife (Hafenstadt mit 1,5 Mio. E)

im NO Brasiliens im Bundesstaat Pernambuco

Straßenkinderprojekt mit Schwerpunkt Prävention gegen Drogen, Kinderprostitution

 

Kurzbeschreibung:

 

Die Gruppe Ruas e Praças wurde 1989 in Recife von ehemaligen Mitarbeitern staatlicher Fürsorgeeinrichtungen gegründet. Auslöser war die Schließung zahlreicher Hilfsangebote für Straßenkinder.

  1. In Recife selbst offene Straßenkinderarbeit durch die Betreuung der Kinder und Jugendlichen auf der Straße selbst

  2. Arbeit in einer eigenen stationären Einrichtung namens “Centro Educacional VIDA NOVA” ( =Erziehungszentrum Neues Leben) in dem Ort Capim de Cheiro, ein kleiner Bauernhof nördlich von Recife.

Zu 1.

Die Organisation “Ruas e Praças” betreut Kinder und Jugendliche auf den bekannten Straßen und Marktplätzen Recifes z.B.der Praça da Encruzilhada (eine Einkaufszone, die als Treffpunkt für Straßenkinder sehr anziehend wirkt). Die dort ansässigen Geschäftsleute und Anwohner fühlen durch die Präsenz der Straßenkinder aber gestört. Aus diesem Grund haben sich Geschäftsleute und Anwohner zusammengetan, um die Straßenkinder aus den Straßen zu vertreiben. Die Organisation möchte natürlich die Kinder auch von der Straße bringen, aber durch Förderung und Schutz dieser Kinder. Dagegen haben Geschäftsleute und Gemeinde leider keine besseren Ideen als die Straßenkinder von der Polizei vertreiben zu lassen.

Daher nahm die Organisation Kontakt zu Gemeindevertretern auf und weitere Institutionen wurden eingeschaltet:. Ruas e Pracas wandte sich u.a. an den COMDICA (Kommunaler Rat für die Förderung und den Schutz der Rechte von Kindern), da diese Institution für die Politik zum Schutz der Kinderrechte zuständig ist. Derzeit finden monatliche Treffen mit Vertretern der Zivilgesellschaft, der Stadtverwaltung, der Polizeidirektion für Kinder und Jugendliche (GPCA), dem zuständigen Amt des Bundesstaates und Anwohnern und Geschäftsleuten statt.

Das Ziel ist es, eine nachhaltige Lösung des Problems zu finden und nicht, die Kinder einfach irgendwohin zu vertreiben.

 

Der Kampf gegen den Drogenkonsum ist ein Schwerpunkt in der Betreuung der Straßenkinder auf Recifes Straßen, insbesondere auf zentralen Plätzen in der Innenstadt. Diese Art der Arbeit ist sehr schwierig, da der Konsum der Droge Crack sehr zugenommen hat. Diese Droge macht bereits nach zwei- oder dreimaligem Konsum abhängig. Laut Untersuchungsergebnissen des Drogenforschungszentrums der Bundesuniversität Sao Paulo CEBRID erreicht der Crack-Dampf in ca. 10 Sekunden die Lunge und von dort unmittelbar auch das Gehirn. Der Rauschzustand dauert nur 8-10 Sekunden und danach kommt sofort das Verlangen nach der nächsten Dosis. Die Auswirkungen dieser Droge sind entsetzlich, u.a. kommt es zu starker Aggressivität, Gereiztheit, Appetitlosigkeit und Müdigkeit. Auch die Gewalt unter den Kindern hat zugenommen und aus Angst vor Schlägereien müssen viele Straßenkinder dauernd herumziehen.

Zu 2.

In diesem Kinderzentrum, das einem Bauernhof sehr ähnlich ist, gibt es mehrere Wohnhäuser, ein Gemeinschaftshaus mit Küche, Büros und einen Speise- und Aufenthaltsraum. Hier wohnen immer einige Kinder, die ganz da bleiben und nicht mehr zurück in die Stadt wollen und das Landleben sehr schön empfinden. Diese gehen im Nachbarort in die Schule und machen dort Praktika oder eine Lehre. Die Kinder kommen zu verschiedenen Gelegenheiten auf diesen kleinen Bauernhof. Einige wollen nur kurzzeitig schnuppern und sich erholen, die Stadt hat sie aber noch in ihrem Bann. Andere bleiben die ganze Woche über, kehren noch manchmal auf die Straße zurück oder besuchen ihre Eltern.

Die verantwortliche Mitarbeit in der Landwirtschaft hat eine ganz eigene therapeutische und pädagogische Wirkung. Erfolgserlebnisse sind planbar und dem eigenen und gemeinsamen Bemühen bei der Arbeit zuzuschreiben und sie fördern den Einzelnen wie auch die Gemeinschaft. Das Konzept gibt den hochgradig entfremdeten Stadtkindern ein nie gekanntes Bewusstsein für die Natur und das Lebendige.
Auf dem Hof finden sich Mangos, Maracuja, Papayas, Bananen, Kokosnüsse, Cashewbäume, Acerolakirschen, Orangen und Limonen. Angebaut werden auch Paprika, Maniok, Bohnen, Süßkartoffeln und Salat. Die Eier kommen von den eigenen Hühnern. Ein Raum im Haupthaus wurde in eine Marmeladenküche verwandelt, in dem die Früchte des Hofes verarbeitet werden können.
Nachmittags gibt es Workshops und Hausaufgabenbetreuung. Es wird getrommelt, getanzt, gemalt oder gebastelt. Die Workshops haben kulturelle Themen, wie Tänze, Feste oder Musik. Es gibt auch politische Themen, wie die Menschen- und Kinderrechte bis hin zu sozialen, medizinischen oder ökologischen Themen – man diskutiert das Verhältnis zu Gewalt, Sexualität, Drogen, AIDS oder Müll.

Der Bauernhof war nach einiger Zeit intensiver Nutzung ein wenig heruntergekommen, die fälligen Reparaturen häuften sich. Finanziell unterstützt werden daher z.B. die Traktorreparatur und Anschaffungen für den Ausbau der landwirtschaftlichen Produktion. Für die Kinder sollen neue Lehr- und Lernmaterialien beschafft werden.

 

Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 09. März 2013 um 09:52 Uhr